Erste Hilfe | Heimtier

YakobchukOlena – stock.adobe.com

Das Kaninchen als Notfallpatient

Für viele Tierärzte stellt die Behandlung von Heimtieren – insbesondere die von Notfallpatienten- eine Herausforderung dar. Wie stabilisiere ich z. B. ein Kaninchen mit Atemnot? Wir haben bei unserer Referentin Yvonne Eckert nachgefragt.

Yvonne Eckert ist Fachtierärztin für Heimtiere und Kleinsäuger. Auf dem Niedersächsischen Tierärztetag im Januar 2019 wird sie einen spannenden Vortrag zur Notfallversorgung von Kaninchen halten. Hier ein kleiner Vorgeschmack:

  1. Welche Erkrankungen führen zu Notfällen beim Kaninchen?

Typische Erkrankungen, die zu einem Notfall beim Kaninchen führen können, sind zum Beispiel: akute Verlegungen der harnableitenden Wege, Gastrointestinale Erkrankungen, präkardiale oder thorakale Raumforderungen, Erkrankungen der oberen und tiefen Atemwege, Metropathien oder auch Hepatopathien.

  1. Welches sind die wichtigsten Maßnahmen zur Stabilisation solcher Patienten?

Bei der Stabilisierung des Notfallpatienten sollten folgende Maßnahmen im Vordergrund stehen:

– Die Sicherung der Atemwege.

– Die Wiederherstellung/Korrektur des Hydratationsstatus.

– Eine adäquate Analgesie.

– Maßnahmen zur Aufrechterhaltung/Wiederherstellung der physiologischen Körperinnentemperatur.

– Zwangsfütterung bei inappetenten Patienten.

Zusätzlich sollte die Ursache für den Notfall individuell für jeden Patienten behandelt werden.

  1. Was sollten Tierärzte Handling von Kaninchen mit Atemnot beachten?

Kaninchen haben im Verhältnis zu ihrer Körpergröße einen kleinen Thorax. Eine Kompression des Thorax   sollte beim Handling unbedingt vermieden werden.  Tiere mit Atemnot sind unmittelbar in eine  sauerstoffgeflutete Umgebung zu verbringen und das Handling (die klinische Allgemeinuntersuchung) ist  bis zur Stabilisierung des Patienten auf ein Minimum zu reduzieren. Es sollte eine Sicherung der Atemwege (zum Beispiel durch eine Larynxmaske oder einen endotrachealen Tubus) erfolgen.

  1. Welche Körpertemperatur ist als kritisch zu betrachten?

Kaninchen zeigen bei verschiedenen Krankheitsbildern vermehrt Hypothermien.  Eine Temperatur unter 38 °C ist beim Kaninchen als kritisch zu betrachten.

Zu einer Hyperthermie kommt es nur in seltenen Fällen, zum Beispiel bei einem Hitzschlag.

Die Körperinnentemperatur bei einem (Notfall-) Patienten sollte in regelmäßigen Abständen rektal kontrolliert werden. Maßnahmen, wie Wärmematten, Wärmekissen oder Inkubatoren, sowie warme Infusionen können ergriffen werden, um die physiologische Körpertemperatur wiederherzustellen. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Tiere nicht direkt auf die Wärmequelle verbracht werden, um Verbrennungen zu vermeiden.

  1. Wann sollten Kaninchenbesitzer immer an einen Notfall denken?

Als Flucht- und Beutetiere verstecken Kaninchen die Symptome einer Erkrankung meist sehr lange. Wenn dem Besitzer die Symptome auffallen, ist schnelles Handeln und ein unmittelbarer Besuch beim Tierarzt meist entscheidend, um dem Tier unmittelbar helfen zu können. Typische Symptome bei einem Kaninchen als Notfallpatienten können sein:

Inappetenz, Seitenlage, Apathie, Krämpfe, Dyspnoe oder Blutungen.

Das Kaninchen als Notfallpatient“ wird einer der spannenden Kleintiervorträge auf dem Niedersächsischen Tierärztetag sein.

Wenn Sie mehr zu diesem Thema erfahren wollen, seien Sie am 24-26. 1. 2019 auf dem Niedersächsischen Tierärztetag in Hannover dabei! In dem Block “Gemeinsam in die Zukunft: das Trendtier Kaninchen” wird das Thema in drei spannenden Vorträgen thematisiert. Möchten Sie mehr über unser Vortragsprogramm erfahren? Zum Programm

Unter dem Motto „Gemeinsam in die Zukunft – heute gelernt, morgen umgesetzt“ präsentieren hochkarätige Referenten spannende Themen aus der Kleintier-, Pferde-, und Nutztiermedizin sowie dem öffentlichen Veterinärwesen ‒ für Tierärzte und Tiermedizinische Fachangestellte.

Zum Anmeldeformular

 

JS/LP